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Musikalische Entdeckungsfreude – Riccardo Chailly präsentiert “Madama Butterfly” in der Ursprungsversion

Madama Butterfly
© Decca
17.01.2019
1904 wurde Puccinis Oper “Madama Butterfly” unter der Leitung von Cleofonte Campanini in ihrer ursprünglichen zweiaktigen Version an der Mailänder Scala zur Uraufführung gebracht – und scheiterte auf ganzer Linie. Ein gutes Jahrhundert später hat Riccardo Chailly zur Saisoneröffnung 2016 am selben Ort mit einer grandiosen Besetzung unter viel Applaus die Aufführung von Puccinis umstrittener Originalfassung zelebriert, die nun mit der Veröffentlichung im Hause Decca auch zum allerersten Mal auf DVD und Blu-ray erscheint. Ein musikalisches Highlight, das Riccardo Chaillys 40jährige Zusammenarbeit mit dem Label perfekt in Szene setzt.
Puccinis “Madama Butterfly” enthält alles, was eine große Oper braucht. Herzergreifende Musik, glühend schöne Arien und Melodien und eine große Portion Dramatik. Die rührende Geschichte von der unglücklichen Liebe der japanischen Geisha Cio-Cio San und des amerikanischen Marineoffiziers Benjamin Pinkerton, die schließlich mit dem tragischen Selbstmord der jungen Frau endet, gehört heute zu den beliebtesten Werken, die weltweit auf den Opernbühnen aufgeführt werden. Kaum vorstellbar, dass die Uraufführung 1904 in wütendem Geschrei und Protest unterging und Puccini sein Werk daraufhin noch einmal gründlich überarbeiten musste, bis “Madama Butterfly” ihren Triumphzug durch die Opernwelt antreten konnte.
Im Rahmen seines aktuellen Mailänder Puccini-Zyklus' schlägt Riccardo Chailly bekanntermaßen gerne unkonventionelle Wege ein. Die Oper “Turandot” hat er bereits mit dem Finale von Luciano Berio präsentiert, “La Fanciulla del West” brachte er in der Version der Kritischen Gesamtausgabe zur Aufführung. Und für “Madama Butterfly” hat er sich am Pult des Orchesters der Mailänder Scala auf eine Spurensuche begeben, um die musikalischen Reize von Puccinis Ursprungsfassung offen zu legen.
Zur feierlichen Eröffnung der Spielzeit 2016 war es soweit: Puccinis japanische Tragödie glänzte auf der Bühne der Mailänder Scala in einer fulminanten Inszenierung von Alvis Hermanis, der sich dafür vom japanischen Kabuki-Theater hatte inspirieren lassen. Großartige internationale Opernstars präsentierten unter der Leitung von Riccardo Chailly eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte musikalische Gestaltung. Die uruguayische Sopranistin María José Siri feierte ihr Debüt als Cio-Cio San, der amerikanische Tenor Bryan Hymel überzeugte als Leutnant Pinkerton, der spanische Bariton Carlos Álvarez verlieh dem amerikanischen Konsul Sharpless stimmliche Brillanz und die italienische Mezzosopranistin Annalisa Stroppa sorgte als Butterflys Dienerin Suzuki für berührende Momente. So ist eine rundherum gelungene künstlerische Auseinandersetzung mit Puccinis Werk entstanden, die sich zurecht über ungeteilte Begeisterung freuen darf.
Riccardo Chailly stellt mit seiner Wiederentdeckung der Urfassung ein feines Gespür für Puccinis musikalische Sprache unter Beweis, das mit der aktuellen DVD-Veröffentlichung noch einmal wunderbar gewürdigt wird.
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