Tchaikovsky Eugene Onegin Fleming/Vargas/Hvorostov 0743298

Welch ein Glück, wenn sich große Sänger auch als exzellente Schauspieler erweisen -- wie Renée Fleming und Dmitri Hvorostovski . . . Wie die beiden die Schlussszene von Tatjana und Onegin singen und spielen, ist von einer Intensität, dass es den Zuschauer und -hörer unmittelbar in Bann schlägt und dessen Pulsfrequenz gefährlich erhöht: Wann je spielt eine Sängerin die neu entflammte Liebe Tatjanas zu ihrem Jugendschwarm derart hungrig nach körperlicher Nähe, obwohl sie von Distanz und dem Ringen nach Fassung singt; wann je zeigt sich ein Onegin als derart verstörter, verletzlicher und verzweifelt um eben diese Nähe kämpfender Mann . . . Robert Carsen beweist mit seiner schnörkellosen Inszenierung, dass diese "lyrischen Szenen" auch auf der Riesenbühne der Metropolitan Opera in New York funktionieren. Klug setzte er auf einen fast leeren Raum, ein Minimum an Requisiten -- vor allem Stühle und Herbstlaub -- und wenige, umso spektakulärere Lichteffekte . . . Bildregisseur Brian Large fängt diese großen Chorszenen wie die Intimität der Soloszenen perfekt für die DVD ein . . . Zum Ereignis wird dieser "Onegin" nicht nur durch die Intensität seiner Protagonisten -- wie auch Elena Zaremba als Olga, Svetlana Volkova als Larina und Larisa Shevchenko als Filipjewna -- und eine wohltuend zurückhaltende Regie, sondern durch Valeri Gergiev. Er zaubert mit untrüglichem Instinkt für die richtigen Tempi und eine fabelhafte Balance aus dem grandios spielenden Met-Orchester ein Wunderwerk an Farben, leuchtenden Linien, musikdramatischen Steigerungen, ebenso leise verhaltenen Klängen wie groß auftrumpfenden Effekten. Schöner, differenzierter und dabei leidenschaftlicher kann ein "Eugen Onegin" nicht klingen.